„Was von uns übrig bleibt“ von Sven Stillich – Wenn wir die Welt verlassen, dann verschwinden wir nicht einfach so.

Glücklicherweise hat mir der Rowohlt-Verlag das kleine Buch „Was von uns übrig bleibt“ von Sven Stillich zukommen lassen, denn damit habe ich endlich ein Thema für eine Uni-Aufgabe gefunden. Aber auch für andere könnte dieses Buch interessant sein, denn wir alle haben schon einmal einen Ort oder Menschen verlassen und eines Tages werden wir alle die Welt verlassen. Doch wir verschwinden nicht einfach so, wir hinterlassen immer etwas. Sei es nur ein Bonbonpapier am Bahnhof oder viele Erinnerungen im Kopf eines geliebten Menschen. Und Sven Stillich hat sich mit diesem Thema beschäftigt.

Klappentext :

Ein Bonbonpapier, das uns aus der Tasche gefallen ist. Ein Fingerabdruck, noch Jahre später nicht verwischt. Der Geruch im Lieblingspullover unserer Mutter. Ein Selfie in einem Facebook-Eintrag. Der Witz, den Vater immer erzählt hat, der kluge Satz, den die Freundin sagte. Wir sind Menschen, wir können nicht anders: Wir hinterlassen Spuren. Biologische, materielle, kulturelle, digitale und geistige – wir schreiben uns ein in das Leben um uns herum und in die Gehirne der Menschen, die wir treffen, in die unserer Familie, in die unserer Freunde.

Sven Stillich macht sich auf die Suche nach dem, was von uns übrig bleibt, wenn wir einen Ort verlassen, einen Menschen oder die Welt, und stellt auf diese Weise die Frage nach dem Kern unseres Seins.

Was passiert in dem Buch?

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Das Buch ist in drei große Abschnitte gegliedert, denn wir können auf unterschiedliche Art und Weise etwas und jemanden verlassen. Außerdem haben die großen Unterteilungen noch kleinere Unterteilungen, die sich mit verschiedensten Phänomenen beschäftigen.

„Die meisten Menschen nehmen zumindest Teile in sich auf von dem, das vor ihnen geschah an Orten, an denen sie lange leben – an Gutem und an Bösen. Und selbst, wenn sie sich wehren, wenn sie die überkommenen Riten und Bräuche oder die falschen Vorstellungen ablehnen : Fast alle setzen sich irgendwann mit ihrer Herkunft auseinander; selten lässt sie einen unberührt.“
– Kapitel „Auf den Hinterlassenschaften von Millionen“. Seite 57

Ein Beispiel wäre in dem Abschnitt „… Wenn wir einen Menschen verlassen“, in dem es das Kapitel „Wo das Leben weitergeht – ‚Press Stop to Continue‘: über die Macht der Bilder und das </3, über #love, #me und #cute sowie über Allesimmermaschinen und Elvis, der nicht vergessen kann“ gibt.

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Der Leser erhält somit schon vorab eine gute Ahnung, worum es in dem Abschnitt gehen könnte und kann für sich selbst entscheiden, ob er es lesen möchte oder nicht, denn das Buch basiert auf keiner aufbauenden Handlung.
Häufig werden historische Ereignisse geschildert (z.B. der Einsturz des Kölner Stadtarchivs) und was sie ausgelöst haben. Und an vielen Stellen werden Statistiken angeführt und Zahlen in den Raum geworfen (was mich ja total begeistert hat und mich sofort dazu gebracht hat, meinem Freund unzählige Stellen aus dem Buch vorzulesen und darüber zu diskutieren). Wusstet ihr zum Beispiel, dass hierzulande etwas 410 000 Paare jährlich heiraten und nur das für 278 000 Paare die erste Hochzeit ist? (Seite: 114)
Wie der Klappentext bereits verrät, gibt es unterschiedlichste Wege, wie wir Spuren hinterlassen. Es gibt die rein biologischen Spuren wie den Fußabdruck, den die Polizei für ihre Ermittlungsarbeiten gut gebrauchen kann. Aber es gibt auch die Art von Spuren, die man nicht sehen kann. Ein großer Teil im Abschnitt „…Wenn wir einen Menschen verlassen“ beschäftigt sich mit der Liebe und wie sie in uns Spuren hinterlässt.

„Die wachsende Liebe ernährt sich von Zeichen und Zweifeln, von Rückzug und Risiko, von Deutungen und Doppeldeutigem. „Ich melde mich“, könnte der Klebezettel mit dem Lippenstiftmund sagen, der am Badezimmerspiegel hängt.“
– Kapitel „Aus Zweimal ‚Ich‘ wird ein ‚Wir'“. Seite 113

Aber auch im Internet hinterlassen wir unsere „Fußabdrücke“.

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Und genau an diesem Punkt war ich in dieses Buch verliebt, denn es hat mir die Idee zu meiner Uni-Aufgabe gegeben 🙂 .

Aber darum soll es hier ja gar nicht gehen.
Ein spannender Punkt, der mich sehr zum Schmunzeln gebracht hat, war der Exkurs aus dem ersten Abschnitt. Und zwar zeigt Sven Stillich dem Leser den besten Weg, um zu verschwinden. Damit allerdings auch, was wir unbewusst bei einer Flucht für Spuren hinterlassen könnten. Das war unfassbar spannend und komisch.

Wie hat mir das Buch gefallen?

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Falls man es noch nicht im oberen Abschnitt gemerkt hat, dann sage ich es hier noch einmal zur Vollständigkeit: Ich fand das Buch grandios und unsagbar spannend und interessant.
Und allein schon das Cover und die Gestaltung sprechen mich an, denn der Titel hat so einen Farbverlauf, was ich persönlich sehr schön finde. (Ach so und es gibt ein Lesebändchen, was ich auch immer als Pluspunkt abbuche)
Die Schreibweise, die Sven Stillich benutzt und die Tatsache, dass das Buch nicht aufeinander aufbaut, sondern jedes Kapitel für sich steht und dem Leser die Chance lässt, selbst zu entscheiden, was er lesen möchte und was nicht, haben mich sehr angesprochen und mir Lust um Lesen gemacht.
Das Thema ist aktuell, besonders im Hinblick auf das „Recht auf Vergessen“ oder die sozialen Netzwerke und unser tägliches Posten, Liken und Sharen. Aus diesem Grund kann man alles sehr gut nachvollziehen und mitgehen.
Deshalb möchte ich jedem Menschen, der sich Sorgen um seine Zukunft oder die Zeit nach dem Sein macht, das Buch „Was von uns übrig bleibt“ ans Herz legen, denn jeder hinterlässt Spuren, ob er nun will oder nicht 😉

Und hier könnt ihr euch das Buch auch noch einmal näher anschauen.

Liebe Grüße
Eure Lin (die mit jedem Post auf diesem Blog ihre Spuren setzt)


Informationen über das Buch

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Titel : Was von uns übrig bleibt – Wenn wir einen Ort, einen Menschen oder die Welt verlassen
Autor: Sven Stillich
Verlag : Rowohl Verlag
ISBN : 978-3-498-093969
Seiten : 281
Preis : 22,00€ für das Hardcover
Erschienen : 20. November 2018

2 Gedanken zu “„Was von uns übrig bleibt“ von Sven Stillich – Wenn wir die Welt verlassen, dann verschwinden wir nicht einfach so.

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