„Dumplin – Go big or go home“ von Julie Murphy – Ein Wohlfühlbuch mit starken Charakteren

Ehrlicherweise habe ich geschummelt. Ich habe den Film auf Netflix gesehen, bevor ich das Buch gelesen habe. Es ging schneller, aber ich war so begeistert von dem Film, sodass ich mir wenige Monate später das Buch gekauft habe. Die Handlung war somit keine Überraschung für mich, aber Details – die ein Film nicht so herüberbringen kann – haben ich dennoch neue gefunden.

Klappentext:

Die #1 der „New York Times“-Bestsellerliste: Dick UND schön? Unsicher UND mutig? Dumplin‘ ist all das und noch viel mehr.

Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin‘ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal.
Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein.
Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt.

„Badeanzüge haben so etwas an sich, das einen denken lässt, man müsste sich erst das Recht verdienen, sie zu tragen. Aber eigentlich ist doch die entscheidende Frage:
Hast du einen Körper?
Dann zieh ihm einen Badeanzug an.“

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 Was passiert in „Dumplin“?

Willowdean Dickson lebt seit ihrer Kindheit in der Welt der Schönheitswettbewerbe. Ihre Mutter hat in ihrer Jugend den Wettbewerb in Clover City gewonnen und repräsentiert ihn somit jedes Jahr aufs Neue. Allerdings hat Willowdean nicht ganz so viel für den Wettbewerb übrig. Sie sieht nicht auf wie eine typische Teilnehmerin. Sie ist dick. Das hat sie aber nie so wirklich gestört. Bis auf den Spitznamen, den ihre Mutter ihr gibt – Dumplin – hat sie das nie wirklich negativ beeinflusst. Mit ihrer besten Freundin Ellen, die definitiv den Wettbewerb gewinnen könnte, kann ihr niemand was anhaben.

Auf ihrer Arbeit lernt sie Bo kennen. In ihren Augen der attraktivste junge Mann, den es nur geben kann. Er ist sportlich und hat Interesse an Willowdean. Soweit so gut. Aber als sie sich in seinem Auto näher kommen und er ihren Bauch bzw. „Speckröllchen“ berührt, verunsichert das Willowdean. Sie bekommt Selbstzweifel und fragt sich eigentlich, warum sie nie – und alle, die nicht dem typischen Schönheitsideal entsprechen – bei dem Miss Teen Blue Bonnet Schönheitswettbewerb teilnehmen. Zusätzlich kommt dazu, dass ihre Tante Lucy (die leider vor einigen Monaten an ihrem Übergewicht gestorben ist) ein Anmeldeformular in ihrer Schublade verwahrt hat, aber nie an dem Wettbewerb teilnahm. Und genau dieses Formular findet Willowdean. Vielleicht auch zum Trotz aber hauptsächlich wegen des Revolutionsgedanken will sie sich anmelden. Dass man dafür eine Unterschrift eines Erziehungsberechtigten braucht, ist ihr durchaus bewusst. Aber da ihre Mutter sowieso bei der Anmeldung sein wird, stellt sie ihr eine Falle. Sie kann ihre Tochter nicht vor den Augen aller anderen ablehnen, da sie somit zugeben würde, dass sie ihrer Tochter nicht zutraut, den Wettbewerb zu gewinnen.

Ihr Plan glückt, aber nicht so wie sie es sich vorgestellt hat. Es sollte ihre Revolution werden. Das haben Ellen, Millie und Hannah aber falsch verstanden. Sie möchten auch eine Revolution starten und melden sich zum Wettbewerb an. In der Freundschaft zwischen Ellen und Willowdean kriselt es seit einiger Zeit. Willowdean fühlt sich ins Abseits gestellt, seitdem Ellen „hübsche“ und schlanke Freundinnen gefunden hat. Sie verteidigt sie nicht mehr und sie teilen nicht mehr die gleichen Erfahrungen (explizit geht es darum, dass Ellen mit ihrem Freund bereits Sex hat, bevor Willowdean überhaupt einen Jungen geküsst hat). Ihre Wege trennen sich und das trifft Willowdean sehr hart.

Anfänglich gibt sie sich eher widerwillig mit ihren Mitstreiterinnen ab und schmiedet Pläne. Als dann auch noch Bo ihr in den Rücken fällt und ihr nicht sagt, dass er bald auf ihrer Schule sein wird, geht sie auch ihm aus dem Weg. Sie wechselt die Arbeitsstelle und serviert nun Chili auf der anderen Straßenseite. Besonders stört sie an der Tatsache, dass sie in der Schule nicht diejenige sein möchte, bei der sich jeder fragt „Wie hat die den denn abbekommen?“.

Der Tod ihrer Tante Lucy belastet die junge Schülerin natürlich auch noch. Da ist ihre perfektionistische Mutter, die mit ihren Gedanken komplett beim Schönheitswettbewerb hängt, keine große Hilfe. Rosie möchte das Zimmer ihrer Schwester endlich ausmisten und daraus ein Nähzimmer machen. Allerdings hängt ihre Tochter Willowdean sehr an den Sachen von Lucy, weshalb sie das Zimmer noch nicht freigeben möchte. Das führt zu mehreren Streitereien.

Neben diesen Katastrophen steht natürlich auch noch der Wettbewerb an. Schafft Willowdean es, eine Revolution anzuzetteln und zu zeigen, dass man auch jenseits der üblichen Kleidergröße schön ist?

Der erste Satz:

„Die besten Dinge in meinem Leben haben immer mit einem Song von Dolly Parton angefangen.“
– Kapitel 1

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Wie hat mir „Dumplin“ gefallen?

Wie ich oben bereits erwähnt habe, war der grobe Plot keine Überraschung für mich. Ich wusste, wie das Buch ausgehen würde und wie sich die Charaktere dahin entwickeln werden. Dennoch hat mir das Buch wesentlich besser gefallen, da es mehr in die Tiefe gegangen ist. Den Film würde ich eher als „Feel-Good-Movie“ beschreiben, aber das Buch ist so viel mehr.

Es geht nicht nur um das dicke Mädchen, dass endlich gesehen werden will. Willowdean Dickson ist eine unglaublich starke und vielschichtige Protagonistin, die mehr ist als nur das Klischee. Das Buch geht nicht mit dem Fingerzeig nach draußen und verurteilt alle „schönen“ oder dünnen Menschen. Es vermittelt nicht die Botschaft, dass man dick sein muss, um stark, „schön“ oder geliebt zu werden.

JEDER IST SCHÖN.

Das ist das Thema des Buches.

Die Handlung ist natürlich in einigen Teilen nicht wirklich überraschend, aber es ist schön zu sehen, wie die Charaktere an den Punkt gelangen.

Was mir persönlich natürlich sehr gefallen hat, ist die gleichbleibende Perspektive. Wie man im ersten Satz schön sehen kann, wird die Geschichte aus der Perspektive der Protagonistin erzählt. Dadurch erfahren wir als Leser viel mehr aus ihrem Gefühlsleben.

Durch die Schreibweise von Julie Murphy (Autorin von „Ramona Blue“) ließ sich das Buch relativ schnell weglesen, aber die Botschaft ist dennoch hängen geblieben. Und ich glaube auch, dass das das Wichtigste ist.

Schlussendlich kann ich gar nicht enorm viel zu „Dumplin“ sagen, da es einfach für sich steht. Es regt zum Nachdenken über Schönheitsideale an und kann einen dazu bringen, sich selbst ein Stück weit mehr zu akzeptieren oder schöner zu finden. Ich würde das Buch gerne Menschen ans Herz legen, die vielleicht ein bisschen verunsichert bezüglich ihres Körpers sind und sich inspirieren lassen wollen (und natürlich lege ich es allen ans Herz, die sich gerne mit dem Thema auf eine lockere Art und Weise auseinandersetzen wollen).

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen zu dem Buch „Dumplin – Go big or go home

Autorin: Julie Murphy
Titel: Dumplin – Go big or go home
Verlag: FJB bei Fischer Verlage
ISBN 978-3-8414-2242-2
Preis: 18,99€  für ein Hardcover mit Schutzumschlag
Seiten: 400

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